Tinder’s neue Funktion: die Hintergrundprüfung

Tinder, eine der weltweit größten Online-Dating-Plattformen, hat eine neue Sicherheitsmaßnahme angekündigt, die die Art und Weise, wie Online-Dating funktioniert, drastisch verändern könnte: Hintergrundprüfung von potentiellen Dates.

Die neue Funktion soll in den kommenden Monaten eingeführt werden und könnte, wenn sie erfolgreich umgesetzt wird, das potenzielle Risiko von sexueller Gewalt und Missbrauch deutlich verringern. In diesem Artikel werden wir uns ansehen, was diese neue Funktion ist, wie sie funktioniert und welche Probleme dabei auftreten können.

Was ist die Hintergrundprüfungsfunktion auf Tinder?

Tinder’s Backgroundcheck oder Hintergrundprüfung wird eine Option für Tindernutzer sein, um zu sehen, ob ihre Matches irgendeine Art von Vorgeschichte haben, die mit sexueller Gewalt oder Missbrauch zu tun hat. Ähnlich wie bei den Sicherheitsfunktionen für Frauen auf Bumble, soll diese Funktion die Nutzer vor Schaden bewahren.

Illustration der Identitätsprüfung einer Person

Im Moment ist noch unklar, wie man den Service nutzen kann, aber in der Praxis müssen die Nutzer für einen Hintergrundcheck eines Matches, welches sie kennenlernen wollen, bezahlen. Sie erhalten kurz darauf einen Bericht und können so ihre eigene Sicherheit garantieren.

Die Nutzer können für den Service bezahlen oder er kann als Teil eines Abonnements angeboten werden.

Die Entscheidung, eine Hintergrundprüfung einzubauen, kam nach der 2019 durchgeführten Untersuchung der Non-Profit-Organisation Propublica über die Nutzerbasis der Match Group. Die Match Group ist die Muttergesellschaft von Tinder und gleichzeitig Besitzer von OkCupid, Hinge, PlentyofFish und Match.com.

Der Bericht fand heraus, dass registrierte Sexualstraftäter und Missbrauchstäter auf vielen der kostenlosen Dating-Plattformen der Match Group angemeldet waren.

Als Reaktion darauf drängte Tracey Breeden, Leiterin der Abteilung Sicherheit und sozialer Beistand bei der Match Group, der Muttergesellschaft von Tinder, auf eine Zusammenarbeit mit Plattformen zur Hintergrundüberprüfung, um ein verbessertes und sichereres Dating-Erlebnis zu ermöglichen.

Als Ergebnis dessen schließ die Match Group eine Partnerschaft mit Garbo, einer Plattform zur Hintergrundüberprüfung, ab – um so den kostenpflichtigen Service anzubieten. Es ist anzumerken, dass die Match Group ab sofort eine Beteiligung an der Firma Garbo hat.

Ihr Ziel ist es, diesen Service zuerst auf Tinder zu nutzen und ihn dann auf andere Plattformen der Match Group auszuweiten. Der Service soll im Laufe des Jahres veröffentlicht werden.

Was ist eine Hintergrundüberprüfung?

Im Allgemeinen ist eine Hintergrundprüfung/ein Backgroundcheck ein Bericht, der von der Polizei und öffentlichen Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt wird und alle Vorstrafen auflistet, die eine Person möglicherweise begangen hat und für schuldig befunden wurde. Arbeitgeber nutzen dies oft, um zu sehen, ob potenzielle Mitarbeiter eine Vorgeschichte haben, über die sie bescheid wissen sollten.

Das können manchmal ganz banale Dinge sein wie Verkehrsverstöße, Geschwindigkeitsübertretungen oder Strafzettel. Es können aber auch Anklagen wegen Drogenbesitzes, Vergewaltigung und anderen Gewalttaten sein. Im Falle von Garbo gibt das Unternehmen an, dass der Fokus auf der Gewaltvergangenheit einer Person liegt.

Wir aggregieren Dutzende von Datenquellen, um den umfassendsten Einblick in die Geschichte einer Person zu bieten – einschließlich Verhaftungen, Verurteilungen, Sexualstraftäteraufzeichnungen und mehr. Die Plattform von Garbo konzentriert sich auf die Meldung von Gewalt und nicht auf die Aufrechterhaltung der Ungerechtigkeiten innerhalb des Justizsystems.

Telefon zeigt Tinder Match

Das bedeutet, dass sie öffentliche Aufzeichnungen und Berichte über Gewalt oder Missbrauch sammelt, einschließlich Verhaftungen, Verurteilungen, einstweilige Verfügungen, Belästigungen und andere Gewaltverbrechen.

Diese befinden sich typischerweise in Polizeiberichten, Schutzanordnungen oder einstweiligen Verfügungen und anderen rechtlichen Dokumenten, die über Missbrauch, Belästigung oder andere Verbrechen berichten.

Warum du einen Hintergrundcheck bei einem potentiellen Date machen solltest

Hintergrundchecks geben dir ein klares Bild von der Person, mit der du dich möglicherweise triffst, und geben dir einen Hinweis darauf, ob diese Person eine gewalttätige Vergangenheit hat. Dies kann für viele Menschen, die sich mit einem Fremden treffen, sowohl Leben als auch Tod bedeuten – und gegebenenfalls dein Leben retten.

Für viele Menschen birgt Online-Dating nicht nur Risiken in Bezug auf die Sicherheit ihrer eigenen finanziellen oder privaten Daten, sondern auch das Risiko, dass andere Datingpartner gewalttätig sein könnten. Geschlechtsspezifische sexuelle Gewalt ist eine erschreckende und traurige Realität, und etwas, das Garbo bekämpfen möchte.

Dating-Dienste suchen ständig nach Möglichkeiten, um sicherzustellen, dass ihre Nutzer so sicher und geschützt wie möglich sind, während sie ihre Online-Dating-Erfahrung genießen. Daher ist die Verhinderung von Gewaltverbrechen eindeutig eine Priorität für jede kompetente Dating-Plattform.

Eine Hintergrundüberprüfung macht es möglich, potentielle Risiken stark zu mindern. Außerdem können Dating-Plattformen unerwünschte Nutzer aussortieren, bevor etwas Gefährliches passieren kann.

Probleme mit der Privatsphäre und was schief gehen kann

Natürlich gibt es ein paar Probleme bei der Implementierung dieser Art von Funktion. Zum einen zeigt die Überprüfung des kriminellen Hintergrunds nur die vergangenen Taten einer Person und ob diese angeklagt wurde. Das hält potentielle Täter, die keine Gewalttaten begangen haben, nicht auf, vielleicht gerade erst mit der Gewalt anzufangen.

Es stellt sich auch die Frage, ob jemand seinen vollen Namen und genaue Informationen angibt oder nicht. Abhängig von der Qualität der Plattform für die Hintergrundüberprüfung kann es sein, dass die Prüfung einer gefälschte Identität keine Probleme in der Vergangenheit aufzeigt, was bedeutet dass die Opfer trotzdem der Gewalt der Täter ausgeliefert sind.

Auf der anderen Seite ist da die Frage der Privatsphäre. Nicht alle Kriminellen werden die gleichen Verbrechen wieder begehen und es gibt einen Punkt, der darüber entscheiden sollte, ob es jemandem mit einer kriminellen Vergangenheit erlaubt sein sollte zu versuchen als normale, voll funktionsfähige Person in die Gesellschaft zurückzukehren.

Im Falle einer rehabilierten Person würde das bedeuten, dass sie immer noch als jemand mit einer problematischen Vergangenheit gekennzeichnet und automatisch von der Nutzung des Dienstes ausgeschlossen wird.

Darüber hinaus könnte diese Information in den falschen Händen das Leben der Person weiter schädigen, indem diese Informationen trotz der Bemühungen, sich zu ändern oder wieder in die Gesellschaft einzugliedern, weiter verbreitet wird. Das zeigt das Schadenspotenzial auf, welches mit Dating-Apps angerichtet werden kann.

Das soll nicht heißen, dass Menschen mit einer Vorgeschichte von Gewalt oder Vorstrafen, insbesondere in Bezug auf sexuelle Gewalt, einen Freifahrtschein bekommen oder Dating-Plattformen frei nutzen dürfen.

Es ist eine Grauzone und eine pauschale Entscheidung könnte Menschen verletzen, die es nicht verdient haben.

Natürlich ist die Sicherheit der Nutzer Priorität. Es ist DIE Priorität. Am Ende kann es sein, dass diese Art von Risiko oder der Verlust von Möglichkeiten für einige Menschen die Vorteile wert sind, die ein Dienst wie dieser bietet. Letztendlich ist es etwas, das die Leute ernst nehmen müssen und über dessen Auswirkungen sie nachdenken sollten.

Tinder’s Sicherheitsfunktionen

Tinder arbeitet abgesehen vom Backgroundcheck stetig an weiteren Sicherheitsfunktionen.

Zum Beispiel wird eine Verifizierung deines Kontos über Facebook verlangt und eine Form der Fotoverifizierung, bei der ein Selfie in Echtzeit gemacht werden muss, das mit einer Pose übereinstimmt, die ein Model auf einem Beispielbild zeigt.

Darüber hinaus hat Tinder im Januar 2020 einen Panik-Button hinzugefügt, der Informationen über ein Date speichert, einschließlich der Standortdaten. Beim Betätigen des Buttons wird sofort der Notdienst alarmiert.

In einem weiteren Artikel gehen wir näher auf die Sicherheitsfunktionen von Tinder ein.

Tinder Logo

FAQs für Sicherheitsmaßnahmen auf Tinder und anderen Dating-Apps

Es kann einige Verwirrung über die genauen Sicherheitsmaßnahmen geben, die Dating-Plattformen manchmal inmitten all der Datenzugriffe und Informationen, die sie über Nutzer sammeln, ergreifen. Glücklicherweise haben wir Antworten auf einige der am häufigsten gestellten Fragen.

Macht Tinder Backgroundchecks?

Zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Aber Tinder wird es dir irgendwann ermöglichen, eine Hintergrundprüfung über deine Matches zu machen, um zu sehen, ob sie in vergangene Verbrechen oder Gewalttaten verwickelt waren. Dies wird von dem gemeinnützigen Backgroundcheck Service kommen, der von Garbo der Match Group zur Verfügung gestellt wird.

Tinder wird der erste Dienst sein, der diese Funktion nutzt, und wird diese von dort aus auf andere Seiten ausweiten.

Machen Dating-Apps auch Hintergrundprüfungen?

Ja, wenn auch nicht so gründlich. Die meisten großen Dating-Apps bitten ihre Nutzer zu bestätigen, dass sie keinen kriminellen Hintergrund haben oder wegen Straftaten verurteilt wurden, aber das ist Kleingedrucktes in ihren Geschäftsbedingungen. Außerdem verlässt man sich auf die Ehrlichkeit des Nutzers, die manchmal etwas fadenscheinig ist.

Berichte oder nähere Untersuchungen dazu kommen eigentlich nur dann auf, wenn ein Nutzer jemand anderen anzeigt.

Welche Dating-Seiten führen (oder werden) Hintergrundprüfungen durchführen?

Tinder wird nicht der einzige Dienst sein, der Hintergrundchecks anbietet. Hier ist eine Übersicht über die Dienste, die bereits dabei sind und diejenigen, die ebenfalls planen, Hintergrundchecks einzuführen:

  • Match.com
  • OurTime
  • Tinder
  • OkCupid
  • Plenty of Fish
  • Hinge
  • The League
  • Raya
  • Millionair Match
  • SafeDating

Es ist schwer zu sagen, ob das so bleiben wird, da nicht alle Funktionen von Tinder Bestand haben. Generell kann man aber sagen, dass die Intention an der richtigen Stelle ist und das Interesse für die Sicherheit der Nutzer die beste Grundlage ist.

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