Queer-Dating im Verborgenen

Jeder kann bei der Partnersuche auf Herausforderungen stoßen, aber für Menschen aus der LGBTQ+-Gemeinschaft kann die Partnersuche besonders schwierig sein. Neben möglichen Beziehungsproblemen wie Meinungsverschiedenheiten, schlechtem Timing und mangelnder Chemie machen sich einige queere Menschen auch Sorgen um das Daten „in the closet“ (im Kämmerchen).

In diesem Artikel werden wir darüber sprechen, was es bedeutet sich zu outen, welche Herausforderungen mit queer Dating verbunden sind und welche Ratschläge wir für dich haben, wenn du dich vor deinen Familienmitgliedern und Freunden outen willst.

Was ist „the closet“?

Der Begriff „the closet“ wird von Menschen in der LGBTQ+-Community verwendet und bedeutet, dass sie nicht offen oder öffentlich über ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität sprechen. Der Grund dafür, dass viele Menschen „in the closet“ sind, ist in der Regel die Angst, die Unterstützung ihrer Familie zu verlieren, in der Schule gemobbt zu werden oder anderen negativen und diskriminierenden Handlungen aufgrund der Überzeugungen anderer Menschen ausgesetzt zu sein.

Die meisten Menschen die sich verstecken sind Transgender und Homosexuelle, die in der Regel noch unter der Vormundschaft ihrer Eltern oder anderer Familienmitglieder stehen. Aber auch andere Menschen aus der LGBTQ+-Gemeinschaft können im Verborgenen leben – vor allem Erwachsene, wenn es um ihren Job geht.

Vektorgrafik eines Kleiderschranks in Regenbogenfarben

Risiken und Probleme bei der Partnersuche als verschlossene queere Person

Das bedeutet aber nicht, dass du es nicht verdienst, dich mit anderen Menschen zu treffen und auszugehen. Es ist jedoch unbestreitbar, dass es schwierig sein kann, in der Welt der Beziehungen im Verborgenen zu bleiben.

Was sind also die Risiken, wenn du dich mit einer verschlossenen Person datest?

  • Die Familie: Vor allem wenn du als Minderjährige(r) von deinen Eltern oder deinem Vormund abhängig bist, besteht die Gefahr, dass du aus dem Haus geworfen wirst oder andere Konsequenzen ertragen musst, wenn sie deine Sexualität oder Geschlechtsidentität nicht akzeptieren.
  • Freunde und Kollegen: Auch wenn du Freunde hast, könnten einige ihrer Wertvorstellungen homophob oder transphob sein. Wenn du normalerweise nicht mit anderen Menschen über LGBTQ+-Themen sprichst, kann es schwierig sein genau zu wissen wie sie über die Gemeinschaft denken – was dich wiederum in Gefahr bringen kann. Wenn du in der Schule bist kann es außerdem sein, dass es dort viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund gibt, was Mobbing und andere schlimme Dinge zur Folge haben kann.
  • Arbeit: Ein weiterer Ort an dem du Homophobie und Transphobie begegnen kannst ist dein Arbeitsplatz. Auch wenn es sich um ein professionelles Umfeld handeln sollte gibt es Menschen mit anderen Überzeugungen, die am selben Ort arbeiten wie du. Es ist also möglich, dass du dort auf hasserfüllte Menschen triffst. Manche Menschen könnten aufgrund ihrer Identität sogar gefeuert oder nicht eingestellt werden. Leider können Mobbing und Belästigung auch am Arbeitsplatz vorkommen, sogar von deinem Vorgesetzten.
  • Andere Personen aus der Öffentlichkeit: Andere Personen die ein Risiko darstellen können sind andere Personen aus der Öffentlichkeit, die hasserfüllt gegenüber der LGBTQ+-Gemeinschaft sind. Es hat Fälle gegeben in denen Paare belästigt oder angegriffen wurden, weil sie in der Öffentlichkeit PDA zeigten, oder sie auf Dating-Apps „gejagt“ wurden, nachdem sie ihre sexuelle oder geschlechtliche Identität offenbart hatten.

Illustration einer Gruppe von Menschen mit Pride-Fahnen und Regenbogenherz

Tipps für die Partnersuche, wenn du dich noch nicht geoutet hast

Wenn du dich mit jemandem verabreden willst, während du noch „in the closet“ bist, stellt sich die Frage – Wie kannst du diese Herausforderung meistern? Hier sind einige unserer Tipps:

  • Sprich mit deinem Partner: Du bist niemandem eine Erklärung schuldig, warum du dich nicht outest, aber es ist wichtig, dass du mit deinem Partner oder deiner Partnerin besprichst, wo deine Grenzen liegen. Einige Themen die ihr besprechen solltet sind zum Beispiel, welche Bezeichnungen ihr für eure Sexualität und Geschlechtsidentität verwendet, ob ihr eure Beziehung im Internet veröffentlichen wollt oder nicht, wer von eurer Beziehung wissen darf und wie ihr euch in der Öffentlichkeit verhaltet.
  • Sei verständnisvoll: Natürlich ist es extrem anstrengend und kann sogar ein Risiko für deine Sicherheit darstellen, wenn du dich nicht outest, aber es kann auch ein Risiko für die andere Person darstellen, mit der du dich treffen möchtest. Es ist wichtig Verständnis dafür zu haben, wenn jemand nicht mit einer Person zusammen sein will die sich nicht outet. Das kann verschiedene Gründe haben, z. B. das Risiko der persönlichen Sicherheit oder der Wunsch nach einer öffentlicheren Beziehung, die schwer zu erreichen ist, wenn man sich nicht outet.
  • Suche nach Selbsthilfegruppen: Egal, ob du jemanden für ein Date suchst oder persönliche Unterstützung außerhalb deines engen Kreises brauchst – suche nach LGBTQ+-Selbsthilfegruppen oder Clubs in deiner Nähe. An manchen Schulen gibt es Clubs die sich dafür einsetzen, sichere Orte für queere Menschen zu schaffen.

Du triffst dich mit einer Transgender-Person die sich noch nicht geoutet hat und fragst dich, ob das funktionieren kann? Wir haben die Antwort auf deine Frage!

Solltest du dich outen?

Ein Coming-out ist eine sehr persönliche Entscheidung, die du nur dann treffen solltest, wenn du dich dabei wohl fühlst. Es ist wichtig, dass du immer an deine eigene Sicherheit und dein Wohlbefinden denkst, wenn du dich für dein Coming-out entscheidest, denn das sollte deine Priorität sein. Du kannst dich jederzeit outen, wenn du willst, aber es wäre das Beste dafür zu sorgen, dass du dich im Prozess an einem sicheren Ort aufhälst.

Wenn du an einem Coming-out interessiert bist, dir aber nicht sicher bist, wie deine Familie reagieren könnte, kannst du versuchen mit einem engen Freund zu sprechen. Beste Freundinnen und Freunde haben in der Regel ähnliche Interessen und Werte und werden das Geheimnis deines Coming-outs eher für sich behalten als deine Familie oder deine Arbeitskollegen.

Wie du dich outest

Wenn du dich outen willst sind wir stolz auf dich, dass du diesen mutigen Schritt in deinem Leben machen möchtest! Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie du den Menschen in deinem Leben von deiner Identität erzählen kannst – aber welche sind das? Im Folgenden teilen wir mit dir unsere Gedanken darüber, wie du dich outen kannst:

  • Suche Unterstützung: Egal, ob es sich dabei um einen Freund, eine Selbsthilfegruppe oder ein anderes Familienmitglied handelt, es ist wichtig, dass du dir Unterstützung suchst, falls andere Menschen in deinem Leben dich nicht so akzeptieren, wie du wirklich bist.
  • Versuche herauszufinden, ob andere dich akzeptieren werden: Bevor du dich outest ist es eine gute Idee herauszufinden, wie empfänglich die Menschen für dein Coming-out sind. Eine Möglichkeit dies zu tun wäre über LGBTQ+-bezogene News zu sprechen und zu sehen, was sie darüber denken.
  • Finde eine Methode, die für dich am besten funktioniert: Es ist ganz dir überlassen wie du anderen von deiner Identität erzählst. Vielleicht möchtest du es lieber persönlich tun, aber du kannst auch andere Wege wählen, wie einen Brief schreiben oder eine Sprachnachricht hinterlassen. Das Wichtigste ist, dass du das tust, was für dich am besten ist und dir am meisten Spaß macht.
  • Beginne mit einer Person: Manche Menschen möchten sich vor einer größeren Gruppe outen, um alles auf einmal zu erledigen oder um für mehr Sicherheit zu sorgen, aber es ist auch völlig in Ordnung, sich am Anfang nur vor einer Person deines Vertrauens zu outen – solange du dich dabei wohl fühlst.
  • Weitere Tipps: Wenn du dir über die Reaktion der anderen Person unsicher bist könntest du versuchen dich in der Öffentlichkeit zu outen. Falls du dir Sorgen machst, dass die Person gewalttätig werden könnte, kannst du einen Freund bitten neben dir zu sitzen, während du es der Person erzählst.

Illustration einer queeren Person die sich outet

Warum Menschen vielleicht im Verborgenen bleiben wollen

Es gibt viele Gründe, warum Menschen im Verborgenen bleiben und sich nicht sofort vor Familie, Freunden und Kollegen outen, sobald sie sich ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität bewusst werden. Einer der Hauptgründe ist ihre persönliche Sicherheit. Menschen, die der verschlossenen Person nahestehen, könnten negative Ansichten über Menschen in der LGBTQ+-Gemeinschaft haben und sogar gewalttätig werden.

Vor allem für Jugendliche kann ein Coming-out vor den Eltern sehr beängstigend und eine Bedrohung für ihre Sicherheit sein, denn manche Minderjährige können aus dem Haus geworfen oder sogar an gefährliche Orte wie Konversionslager geschickt werden, wenn sie versuchen, sich vor ihrer Familie zu outen.

Ein weiterer Grund, warum sich jemand noch immer nicht outet, ist die Angst vor Ablehnung, Belästigung und Mobbing durch Kollegen oder Mitschüler. Als Schüler verbringst du den größten Teil deiner Woche in der Schule, welche ein sehr einschüchternder Ort sein kann.

Eine Beziehung mit jemandem „in the closet“ – kann das funktionieren?

Ob eine Beziehung funktionieren kann, während eine oder beide Personen sich nicht outen, hängt von der jeweiligen Person ab. Die kurze Antwort lautet: Ja, es kann funktionieren. Das hängt von der Kommunikation zwischen beiden Personen ab und davon, ob die Person die sich nicht outet bereit ist sich mit jemandem zu treffen, der sich outet.

Verschlossenheit kann bedeuten, dass ihr euch in der Öffentlichkeit nicht wie ein Paar verhaltet, z. B. indem ihr Posts oder Fotos über eure Beziehung in den sozialen Medien teilt oder euch gegenseitig zu Familienfeiern einladet ohne die Angst, nicht akzeptiert zu werden.

Wenn jedoch beide Personen bereit sind sich zu verabreden, kann es funktionieren. Das Wichtigste ist, dass andere Menschen nichts über die Identität einer Person erfahren sollten, solange sie sich nicht selbst outet. Niemand sollte die andere Person jemals „outen“, denn das könnte deren Sicherheit gefährden.

Bei der Partnersuche gibt es viele Dinge die du tun kannst, ohne sie in den sozialen Medien zu veröffentlichen oder deine Beziehung mit anderen Menschen zu teilen.

Einige Ideen für Dating-Aktivitäten mit einer Person die sich noch nicht geoutet hat sind:

  • Zeit im Haus der anderen Person verbringen, wenn die Personen im Haus sie akzeptieren.
  • Ein Besuch in einem Park, am Strand oder in einer anderen abgelegenen Gegend.
  • Ein Date im Kino.
  • Reisen (auch wenn es nur in eine nahe gelegene Stadt ist).
  • Multiplayer-Spiele oder Chatten im Internet.

Das sind natürlich nur ein paar Ideen und du kannst dir immer noch deine eigenen einfallen lassen!

Du möchtest den Schritt wagen und deinen queeren Partner endlich deinen Eltern vorstellen? Wir helfen dir, die Situation zu meistern!

Vektorgrafik von Händen, die LGBTQ-Pride-Zeichen hochhalten

Gibt es sichere Dating-Apps für Menschen, die Angst vor einem Coming-out haben?

Wenn du mit Hilfe von Apps nach einem Date suchen möchtest, gibt es dann sichere Orte für Menschen, die sich nicht trauen sich zu outen?

Hier sind einige der beliebtesten LGBTQ+-Apps, die du vielleicht ausprobieren möchtest. Sie bieten eine Vielzahl von Optionen für Geschlechtsidentität und Sexualität in deinem Profil – solltest du dich dafür entscheiden, dein Profil offen zu zeigen.

Grindr

Diese App wurde ursprünglich für schwule Männer entwickelt, wirbt aber jetzt damit, dass sie auch für andere Menschen aus der LGBTQ+-Community offen ist. Bei Grindr musst du kein Foto von dir hochladen und du kannst außerdem deinen eigenen Anzeigenamen festlegen – du musst also nicht deinen offiziellen Namen verwenden, um die App zu nutzen. Allerdings wird diese App immer noch hauptsächlich von Leuten genutzt, die auf der Suche nach einem Hookup-Date sind. Das solltest du bedenken, wenn du auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung bist.

OkCupid

Diese Dating-App hat eine einzigartige Funktion, mit der du deine Privatsphäre-Einstellungen so ändern kannst, dass Menschen die sich als „heterosexuell“ identifizieren, dein Profil nicht sehen können. So kannst du dich davor schützen, von Leuten angegriffen zu werden, die der queeren Community gegenüber hasserfüllt sind.

Tinder

Früher wurde lediglich dein Facebook-Konto verwendet, um dein Tinder-Konto zu erstellen, aber jetzt kannst du dich auch mit deiner Telefonnummer anmelden. Solltest du dein Facebook-Konto trotzdem verwenden, kannst du immer noch ein separates, privateres Facebook-Konto erstellen.

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